FRANK MILLER - Blindenhund für Wohlstandskinder

Frank Miller - Blindenhund für Wohlstandskinder

222 Seiten
ISBN 3-905702-02-9
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Bong

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Hier gibt's bei DisAgreement Online gleich zwei Premieren auf einen Streich. Erstens erstmals ein Review auf deutsch. Zweitens handelt es sich bei der Besprechung nicht um Musik, sondern um ein Buch. Es geht um das Erstlingswerk von Frank Miller, den man nicht mit dem gleichnamigen Comiczeichner und Daredevil Entwerfer von Marvel verwechseln darf.

Frank Miller war früher mal Manager einer Schweizer Alternative Country Band, die sich auf das Interpretieren Fremdkompositionen spezialisiert hatte. Der Name der Band wird im Buch nicht verraten, aber genaues Lesen gibt genügend Hinweise. Das Buch ist leicht verständlich geschrieben, tagebuchmäßig aufgebaut und kann während eines freien Tages verschlungen werden.

Die Handlung beginnt im Juli 2003, als die Band einen Majordeal ergatterte und endet im September 2004, am Tag an dem die Band den Manager feuert und entschließt eine achtzehnmonatige Kreativpause einzulegen. Das Thema wird äußerst ernst behandelt und zeigt wie schwierig es in vielen Bereichen ist, eine Lösung zu finden, die allen sechs teils komplizierten Musikern genehm ist. Im Laufe der Handlung merkt man dem Autor immer öfter an, dass die aktuelle Situation ihn frustriert und dieses Gefühl spiegelt sich ganz klar im Buchtitel wieder. Doch man findet auf den gut 200 Seiten nicht nur teils gerechtfertigte Kritik an den Rockstars. So enthält das Buch auch eine Menge lustige Anekdoten. Sie alle aufzuzählen würde den Rahmen dieser Rezension sprengen. Wer aber wissen möchte, warum in deutschsprachigen Kneipen die Wörter Eishockey, Kriechen, Wirsing und Kanufahren am meisten fallen, sollte sich Blindenhund für Wohlstandskinder zulegen. Die Lektüre kam mir niemals langweilig vor und ich erfuhr noch etliche interessante Informationen über das, was sich im Showbusiness hinter den Kulissen abspielt. Nicht dass ich dies unbedingt wissen wollte, aber wer ist denn nicht schon neugierig? Musikliebhaber dürften an diesem Taschenbuch ihre wahre Freude haben. Das einzige, was mich störte, ist dass die Schweizer kein "ß" benutzen. Wörter wie "grösser" oder "ausserordentlich" tun in dieser Schreibweise meinen Augen weh.

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